Systematisch, individuell, fundiert.
Die Diagnostik von Angststörungen erfolgt in einem strukturierten, mehrstufigen Verfahren. Grundlage sind deine Schilderungen, klinische Interviews, standardisierte Fragebögen und die Abgrenzung gegenüber anderen psychischen und körperlichen Erkrankungen.
Diese Frage wird online kaum sauber beantwortet, deshalb hier klar.
Eine Angststörung diagnostizieren dürfen psychologische Psychotherapeut:innen mit Approbation, ärztliche Psychotherapeut:innen sowie Fachärzt:innen für Psychiatrie und Psychotherapie beziehungsweise für Psychosomatische Medizin. Auch Hausärzt:innen können eine Angststörung diagnostizieren und tun das in der Praxis häufig als erste Anlaufstelle.
Nicht diagnostizieren dürfen Heilpraktiker:innen für Psychotherapie im Sinne einer fachärztlich anerkannten Diagnose, Coaches, Berater:innen und Online-Tests. Ein Selbsttest wie der GAD-7 ist ein Screening-Instrument und liefert einen Hinweis, keine Diagnose.
Bei GAM Medical führen approbierte Psycholog:innen und Psychotherapeut:innen die Diagnostik durch, die Diagnose wird von unserem ärztlichen Team bestätigt.
Die Diagnostik beginnt mit einem Erstgespräch im Rahmen einer psychologischen Anamnese. Dieses Gespräch dient dem Aufbau einer vertrauensvollen Beziehung, der genauen Erhebung deiner Hauptbeschwerden und deiner biografischen Daten. Es folgen weitere Sitzungen, in denen die psychische und symptomatische Exploration vertieft wird.
Der Ablauf gliedert sich in zehn Schritte. Die letzten beiden sind zwei getrennte Termine mit unterschiedlichen Aufgaben.
Von der Erstberatung bis zur Diagnosebestätigung vergehen bei uns in der Regel wenige Wochen.
| Natürliche Angst | Angststörung | |
|---|---|---|
| Auslöser | Es gibt eine erkennbare, reale Bedrohung | Die Angst tritt ohne erkennbaren Auslöser auf oder ist unverhältnismäßig zur Situation |
| Stärke | Angemessen zur Gefahr | Deutlich übersteigert, oft überwältigend |
| Verlauf | Die Angst klingt ab, sobald die Situation vorbei ist, und bleibt eine Episode | Die einzelne Angstreaktion kann kurz sein, sie kehrt aber zuverlässig zurück. Als Muster besteht sie über Monate, auch wenn sie nicht täglich auftritt |
| Verhalten | Du handelst und löst die Situation | Du vermeidest, ziehst dich zurück oder sicherst dich ab |
| Alltag | Nur situativ und kurzzeitig eingeschränkt, danach läuft dein Alltag wie gewohnt weiter | Dauerhaft eingeschränkt, auch außerhalb der angstauslösenden Situation. Beruf, Beziehungen und Freizeit leiden spürbar |
| Kontrolle | Du kannst die Angst einordnen und regulieren | Die Angst fühlt sich unkontrollierbar an |
| Erwartung | Du denkst danach kaum daran | Du entwickelst Angst vor der nächsten Angst |
Zum Vergleich: Die durchschnittliche Wartezeit auf ein Erstgespräch bei einer niedergelassenen Psychotherapiepraxis liegt in Deutschland bei mehreren Monaten. Diese Wartezeit ist der häufigste Grund, warum Menschen mit Angststörungen nie in Behandlung kommen.
Symptomerhebung
Die Diagnostik erfasst kognitive, emotionale, körperliche und verhaltensbezogene Symptome der Angst. Zu den typischen Symptomen zählen:
Einen Überblick über alle Formen von Angststörungen und ihre Symptome findest du auf unserer Informationsseite.
Zum Einsatz kommen ausschließlich validierte Instrumente. Die als optional gekennzeichneten Verfahren setzen wir nur bei entsprechendem Verdacht in der Differenzialdiagnostik ein.
| Instrument | Was es erfasst |
|---|---|
| GAD-7 (Generalized Anxiety Disorder-7) | Screening für die generalisierte Angststörung |
| BAI (Beck Anxiety Inventory) | Schweregrad der Angstsymptomatik |
| SPIN (Social Phobia Inventory) | Soziale Ängste |
| STAI (x2) (State-Trait-Angstinventar) | Eigenschaftsangst |
| BDI-II (Becks Depressions-Inventar) | Schweregrad der depressiven Symptomatik |
| DIPS (Diagnostisches Interview bei psychischen Störungen) | Strukturiertes klinisches Standard-Interview zur Diagnosesicherung |
| SCID-PD | Strukturiertes klinisches Standard-Interview zur Diagnosesicherung |
| PCL-5 (Posttraumatic Stress Disorder Checklist for DSM-5), optional | Screening auf eine posttraumatische Belastungsstörung |
| Y-BOCS(-II) (Yale-Brown Obsessive Compulsive Scale), optional | Art und Schweregrad von Zwangsgedanken und Zwangshandlungen |
| SHAI (Short Health Anxiety Inventory), optional | Ausgeprägte Krankheitsängste |
Die Internationale Klassifikation psychischer Störungen der WHO führt Angststörungen in der noch geltenden 10. Fassung im Kapitel F4 unter F40 und F41, in der 11. Fassung in der Hauptgruppe 6B0. Für eine Diagnose müssen folgende Kernkriterien erfüllt sein.
Die Symptome von Angststörungen überschneiden sich häufig mit anderen psychischen oder körperlichen Erkrankungen, die ausgeschlossen werden müssen.
Angst und Antriebslosigkeit sind hier ebenfalls häufig, im Vordergrund steht aber eine depressive Grundstimmung.
Zwangsgedanken können angstauslösend sein, unterscheiden sich aber durch ihre zwanghafte, sich aufdrängende Natur und die begleitenden Zwangshandlungen.
Körperliche Symptome ohne organischen Befund.
Die Angst zentriert sich hier spezifisch um die Sorge, körperlich schwer erkrankt zu sein.
Angstsymptome stehen im Zusammenhang mit einem konkreten traumatischen Erlebnis, dazu kommen Wiedererleben in Form von Flashbacks und die Vermeidung traumabezogener Reize.
Bei starkem Realitätsverlust und ausgeprägter Angst mit ungewöhnlichen Denkinhalten.
Zum Beispiel die ängstlich-vermeidende Persönlichkeitsstörung. Angst und Vermeidung sind hier ein überdauerndes Persönlichkeitsmerkmal, keine episodisch auftretende Störung.
Vor allem bei Überlappung mit innerer Unruhe, Reizüberflutung und sozialem Rückzug.
Schilddrüsenüberfunktion, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Atemwegserkrankungen, neurologische Anfallsleiden, endokrine und metabolische Erkrankungen wie Diabetes, Phäochromozytom und Hormonschwankungen sowie Intoxikationen.
Zur Abgrenzung sind wichtig: EKG, EEG, Labor mit Blutbild, Elektrolyten, Blutzucker, Leber- und Schilddrüsenwerten, bei entsprechender Symptomatik zusätzlich eine Bildgebung mittels cCT oder cMRT.
Am Ende der Diagnostik stehen zwei getrennte Termine mit unterschiedlichen Aufgaben. Im Rückgabegespräch bekommst du das schriftliche Gutachten und das vorläufige Ergebnis erklärt. Im diagnostischen Abschlussgespräch wird die Diagnose verbindlich gestellt und dokumentiert.
Diese Trennung ist kein Formalismus. Sie sorgt dafür, dass du das Ergebnis in Ruhe verstehen und Fragen stellen kannst, bevor die Diagnose festgeschrieben wird und ihr über die Behandlung sprecht.
Sobald deine Psychologin oder dein Psychologe das Gutachten fertiggestellt hat, findet dein persönliches Rückgabegespräch statt. Du erhältst das schriftliche Gutachten und bekommst erklärt, zu welchem vorläufigen Ergebnis die Auswertung gekommen ist.
Inhaltlich umfasst das Rückgabegespräch:
Im letzten Termin sprichst du mit einer approbierten Fachkraft aus unserem Team. Dieses Gespräch ist für die Diagnosestellung und die Ausstellung der Diagnosebestätigung notwendig. Grundlage ist das zuvor erstellte Gutachten.
Inhaltlich umfasst das Abschlussgespräch:
Die Diagnosebestätigung ist mit Diagnosen anderer Behandler:innen gleichwertig. Du kannst sie bei anderen Ärzt:innen, Praxen oder Institutionen vorlegen.Ziel beider Gespräche zusammen ist, dass du am Ende informiert und selbstbestimmt über deinen weiteren Behandlungsweg entscheiden kannst.
Du musst nichts vorbereiten. Wenn du magst, machen diese Punkte das Gespräch aber leichter und genauer.
Sorg außerdem für eine ruhige, ungestörte Umgebung und eine stabile Internetverbindung.
In einem mehrstufigen Verfahren. Du bearbeitest zunächst standardisierte Fragebögen wie den GAD-7 oder das BAI zur Selbsteinschätzung. Es folgt ein ausführliches Erstgespräch, in dem deine Beschwerden, deine Lebensgeschichte und deine Belastungen erhoben werden, danach ein strukturiertes klinisches Interview mit Abgrenzung gegenüber anderen psychischen und körperlichen Erkrankungen. Alle Ergebnisse werden in einem schriftlichen Gutachten zusammengefasst. Am Ende stehen zwei Termine: das Rückgabegespräch mit dem Gutachten und das diagnostische Abschlussgespräch mit der verbindlichen Diagnose.
Fachärzt:innen für Psychiatrie und Psychotherapie, ärztliche und psychologische Psychotherapeut:innen. Auch Hausärzt:innen können eine Angststörung diagnostizieren und sind für viele Menschen die erste Anlaufstelle. Für eine differenzierte Diagnostik mit Testverfahren ist eine spezialisierte Stelle sinnvoll.
Von der telefonischen Erstberatung bis zum Abschlussgespräch vergehen in der Regel wenige Wochen. Dazwischen liegen das Erstgespräch mit Anamnese, ein strukturiertes Interview, das Rückgabegespräch und das diagnostische Abschlussgespräch. Die Fragebögen bearbeitest du selbstständig, bevor das erste Gespräch stattfindet.
Ja. Anamnese, psychopathologischer Befund, Testdiagnostik und strukturiertes Interview beruhen auf Gespräch und Fragebogen und sind per Video gleichwertig durchführbar. Eine körperliche Abklärung bei deiner Hausärztin oder deinem Hausarzt empfehlen wir dir ergänzend. Voraussetzung für unsere Diagnostik ist sie nicht.
Im Rückgabegespräch erhältst du von deiner Psychologin oder deinem Psychologen das schriftliche Gutachten und das vorläufige Ergebnis erklärt. Im diagnostischen Abschlussgespräch stellt eine approbierte Fachkraft die Diagnose verbindlich, stellt die Diagnosebestätigung aus und bespricht mit dir die Behandlungsoptionen. Es sind zwei getrennte Termine, damit du das Ergebnis erst in Ruhe verstehen kannst, bevor die Diagnose festgeschrieben wird.
Nein. Ein Selbsttest wie der GAD-7 ist ein Screening-Instrument. Er gibt einen Hinweis darauf, ob eine weitere Abklärung sinnvoll ist, und er ist ein guter erster Schritt. Eine Diagnose ersetzt er nicht, weil er weder Differentialdiagnosen noch körperliche Ursachen prüft.
Nein. Du kannst die Diagnostik direkt bei uns starten. Wir empfehlen dir aber, körperliche Ursachen wie eine Schilddrüsenüberfunktion bei deiner Hausärztin oder deinem Hausarzt abklären zu lassen. Welche Werte dafür sinnvoll sind, sagen wir dir vorher. Aktuelle Befunde aus den letzten sechs Monaten kannst du einfach mitbringen.
Dann bekommst du trotzdem eine Einordnung. In der Diagnostik wird immer auch geprüft, ob eine andere Erkrankung die Beschwerden besser erklärt, zum Beispiel eine Depression, eine somatoforme Störung oder ADHS. Ein Ergebnis ohne Angststörungsdiagnose ist kein Ergebnis ohne Erkenntnis.
Nein. Das Gutachten geht ausschließlich an dich. Behandelnde unterliegen der Schweigepflicht. Auf einer Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung steht keine Diagnose, die dein Arbeitgeber lesen kann.
Starte ganz unkompliziert mit unserem kostenlosen Selbsttest und erhalte eine erste Einschätzung. Oder stell uns deine Fragen in einem unverbindlichen, kostenlosen Beratungsgespräch mit unserem Team.
Bei GAM Medical bieten wir dir unkomplizierte und erschwingliche Behandlungsoptionen für ADHS.
Unsere Expert*innen sind auf ADHS, Autismus und Angststörungen spezialisiert und jederzeit für dich da, um dich bestmöglich zu unterstützen.
Dieser Beitrag wurde fachlich geprüft von Dr. Giancarlo Giupponi, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie.
Angststörungen Ratgeber
Entdecke umfassende Informationen rund um Angststörungen in unserem umfassenden Blog. Von Symptomen über die Diagnostik bis hin zu Behandlungsmöglichkeiten und praktischen Tipps – Unser Blog bietet dir wertvolle Einblicke, um Angststörungen besser zu verstehen und damit umzugehen. Lass dich von Expertenwissen unterstützen!
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