Ein Überblick über den Einsatz von Antidepressiva
Antidepressiva sind eine Klasse von Medikamenten, die auf das zentrale Nervensystem wirken, um die Gehirnchemie zu beeinflussen und Symptome im Zusammenhang mit psychischen Störungen und anderen klinischen Zuständen zu verbessern.
Antidepressiva wirken hauptsächlich, indem sie die Verfügbarkeit bestimmter Neurotransmitter im Gehirn erhöhen, insbesondere Serotonin, Noradrenalin und in einigen Fällen Dopamin.
Diese Neurotransmitter sind an der Regulierung von Stimmung, Angst, Schlaf und anderen neurologischen Prozessen beteiligt.
Bitte bedenke, dass Antidepressiva in der Regel nicht für ADHS verwendet werden. Bei manchen Menschen mit ADHS werden Antidepressiva trotzdem verschrieben; beispielsweise aufgrund einer komorbiden Störung, die parallel zu deinem ADHS besteht.
Sie werden u.a. verschrieben für:
Depressive Störungen
Depressionen werden in verschiedene Schweregrade eingeteilt (Leicht-Mittel-Schwer und persistierend). Abhängig vom Schweregrades wird eine unterschiedliche Behandlung empfohlen. Bei leichten bis mittelgradigen Episoden kann eine Psychotherapie manchmal erfolgreich sein, ohne dass Medikamente eingenommen werden müssen.
Schwere Depressionen
Bei schweren Depressionen sind Antidepressiva die Erstlinientherapie bzw. der Goldstandart. Sie helfen, die Stimmung zu stabilisieren, depressive Symptome zu reduzieren und die tägliche Funktion wiederherzustellen.
Dysthymie (auch genannt: Persistierende (anhaltende) depressive Störung):
Diese Störung ist durch eine chronische, leichte bis mittelschwere Depression gekennzeichnet, die über einen Zeitraum von ca. zwei Jahren anhält (eine nicht anhaltende depressive Episode ist ca. zwei Wochen lang). Antidepressiva können verwendet werden, um anhaltende Symptome zu lindern.
Bipolare Störung
Antidepressiva können zusammen mit Stimmungsstabilisatoren verwendet werden, um depressive Symptome bei bipolarer Störung zu behandeln. Sie müssen jedoch vorsichtig eingesetzt werden, um manische Episoden zu vermeiden.
Angststörungen
Generalisierte Angststörung (GAD):
Antidepressiva, insbesondere selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) und Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer (SNRI), werden häufig bei GAD verschrieben, um chronische Angst zu reduzieren.
Soziale Angststörung (Soziale Phobie):
Antidepressiva können verwendet werden, um Angst zu reduzieren und die soziale Funktionalität bei sozialer Phobie zu verbessern.
Panikstörung:
Antidepressiva können verwendet werden, um die Häufigkeit und Intensität von Panikattacken zu reduzieren, insbesondere SSRI und SNRI.
Andere Störungen und Zustände
Zwangsstörung (OCD):
Antidepressiva, insbesondere SSRI, werden häufig zur Behandlung von OCD verschrieben, um Angst und Zwangsgedanken zu reduzieren.
Essstörungen (wie Anorexia nervosa und Bulimia nervosa):
Antidepressiva können verwendet werden, um Symptome im Zusammenhang mit Essstörungen wie Depression und Angst zu behandeln.
Chronische Schmerzen:
Einige Antidepressiva, insbesondere SNRI, können zur Behandlung chronischer Schmerzen, insbesondere neuropathischer Schmerzen, verwendet werden.
Schlafstörungen (wie Schlaflosigkeit):
Einige Antidepressiva wie Trazodon und Mirtazapin können zur Behandlung von Schlaflosigkeit verschrieben werden, da sie sedierende Eigenschaften haben.
Antidepressiva, insbesondere die der neueren Generationen wie selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) und Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer (SNRI), gelten im Allgemeinen als sicher, wirksam und haben weniger Nebenwirkungen im Vergleich zu älteren Antidepressiva.
Die häufigsten langfristigen Nebenwirkungen sind Libidoverlust und Appetitzunahme.
Insbesondere der Libidoverlust kann eine erhebliche Herausforderung für diejenigen darstellen, die diese Medikamente einnehmen, da die sexuelle Gesundheit ein wichtiger Aspekt des allgemeinen Wohlbefindens ist.
Sexuelle Dysfunktion durch Antidepressiva
Das Verständnis der zugrunde liegenden Mechanismen des Libidoverlusts durch Antidepressiva wird aktuell noch Gegenstand aktiver Forschung. Wir versuchen dir hier trotzdem einen Überblick über den aktuellen Stand des Wissens zu vermitteln.
Sexuelle Dysfunktionen können sich auf unterschiedliche Weise manifestieren und können sowohl Männer als auch Frauen betreffen.
Sie können sich unter anderem durch folgende Symptome manifestieren:
- Libidoverlust (Verminderung des sexuellen Verlangens): Eines der häufigsten Anzeichen der durch Antidepressiva verursachten sexuellen Dysfunktion ist der Libidoverlust oder das sexuelle Verlangen. Betroffene können eine Abnahme des Verlangens nach sexuellen Aktivitäten oder des Genusses an sexuellen Aktivitäten erleben.
- Erektile Dysfunktion (bei Männern): Bei Männern können Antidepressiva erektile Dysfunktion verursachen, was es schwierig macht, eine Erektion zu erreichen oder aufrechtzuerhalten, die für eine befriedigende sexuelle Aktivität ausreichend ist. Dies kann die Qualität des Sexuallebens beeinträchtigen und erhebliche Auswirkungen auf das emotionale und zwischenmenschliche Wohlbefinden haben.
- Erregungsschwierigkeiten (bei Frauen): Bei Frauen kann sich die durch Antidepressiva verursachte sexuelle Dysfunktion in Form von Schwierigkeiten bei der sexuellen Erregung manifestieren, was das Erreichen eines Orgasmus erschweren oder die sexuelle Zufriedenheit insgesamt beeinträchtigen kann.
- Verzögerung oder Schwierigkeiten beim Orgasmus: Antidepressiva können auch eine Verzögerung des Orgasmus oder Schwierigkeiten beim Erreichen des Orgasmus sowohl bei Männern als auch bei Frauen verursachen. Dies kann die sexuelle Intimität und die persönliche Zufriedenheit negativ beeinflussen.
- Genitale Anästhesie oder verminderte Empfindlichkeit: Einige Menschen können eine genitale Anästhesie oder eine verminderte Empfindlichkeit im Genitalbereich erleben, was die sexuelle Reaktion und die Zufriedenheit während der sexuellen Aktivität negativ beeinflussen kann.
- Vaginale Trockenheit (bei Frauen): Bei Frauen können Antidepressiva vaginale Trockenheit verursachen, was Schmerzen oder Unbehagen während der sexuellen Aktivität verursachen und die sexuelle Zufriedenheit insgesamt verringern kann.
Folgen der durch Antidepressiva verursachten sexuellen Dysfunktion
Die durch Antidepressiva verursachte sexuelle Dysfunktion kann verschiedene Folgen haben, die über den rein physischen Aspekt hinausgehen.
- Kommunikations- und Intimitätsprobleme: Der Libidoverlust und andere sexuelle Probleme können die Kommunikation und Intimität innerhalb der Partnerschaft beeinflussen. Menschen, die sexuelle Dysfunktion erleben, können sich schämen oder unwohl fühlen, ihre Probleme mit dem Partner zu besprechen, was zu einem Mangel an offener und ehrlicher Kommunikation führen kann.
- Spannung und Frustration: Die Frustration und Enttäuschung im Zusammenhang mit sexueller Dysfunktion können Spannungen innerhalb der Partnerschaft verursachen. Der Partner, der keine Dysfunktion erlebt, könnte sich abgelehnt oder unerwünscht fühlen, während der Partner, der die Dysfunktion erlebt, Frustration über seine Unfähigkeit, den Partner zu befriedigen, empfinden könnte.
- Reduzierung der physischen und emotionalen Intimität: Der Libidoverlust und andere sexuelle Probleme können zu einer Reduzierung der physischen und emotionalen Intimität zwischen den Partnern führen. Der Mangel an Sex kann die emotionale Verbindung und Nähe zwischen den Partnern negativ beeinflussen und zu einem Rückgang des Gefühls von Intimität und Verbundenheit führen.
- Niedriges Selbstwertgefühl und Unsicherheiten: Die sexuelle Dysfunktion kann auch das Selbstwertgefühl und das Selbstbild beider Partner beeinflussen. Derjenige, der die sexuelle Dysfunktion erlebt, könnte Unsicherheiten bezüglich seiner Fähigkeit entwickeln, den Partner zu befriedigen, während der Partner Unsicherheiten bezüglich seines Verlangens oder seiner Attraktivität entwickeln könnte.
- Risiko von Untreue oder Beziehungsbruch: In einigen Fällen kann die sexuelle Dysfunktion das Risiko von Untreue oder Beziehungsbruch erhöhen. Wenn die sexuelle Dysfunktion nicht angemessen gehandhabt oder angegangen wird, könnten einer oder beide Partner sexuelle Befriedigung anderswo suchen, was die Stabilität der Beziehung gefährden könnte.
- Zusätzlicher Stress: Der Umgang mit sexueller Dysfunktion kann auch zusätzlichen Stress in die Beziehung bringen. Die Suche nach Lösungen und Behandlungen sowie der Umgang mit den Emotionen im Zusammenhang mit sexueller Dysfunktion können anstrengend sein und zu einem Anstieg von Stress und Spannungen innerhalb der Partnerschaft führen.
Die sexuelle Dysfunktion durch Antidepressiva kann also erhebliche Auswirkungen auf die Beziehung zum Partner haben, indem sie die Kommunikation, Intimität, das Selbstwertgefühl und die Stabilität der Beziehung beeinflusst.
Es ist wichtig, diese Probleme offen und kooperativ anzugehen und beide Partner in die Suche nach Lösungen und Unterstützung einzubeziehen.
Praktische Strategien zur Bewältigung der durch Antidepressiva verursachten sexuellen Dysfunktion
Offene Kommunikation mit dem Psychiater
Offene und ehrliche Kommunikation mit dem Psychiater ist entscheidend, um den durch Antidepressiva verursachten Libidoverlust zu bewältigen. Das offene Ansprechen sexueller Probleme kann dem Psychiater ermöglichen, die Situation zu bewerten und die notwendigen Maßnahmen zu ergreifen. Der Psychiater könnte in der Lage sein, die Dosierung des Medikaments anzupassen, den Typ des Antidepressivums zu ändern oder zusätzliche Medikamente speziell zur Bewältigung sexueller Probleme zu verschreiben.
Therapieoptionen erkunden
Für viele Menschen kann die Kombination von Antidepressiva mit anderen Therapieformen hilfreich sein, um den Libidoverlust zu bewältigen. Die kognitive Verhaltenstherapie (CBT) oder Sexualtherapie kann helfen, psychologische Faktoren zu identifizieren und anzugehen, die zu sexuellen Problemen beitragen. Diese Therapien bieten praktische Werkzeuge zur Verbesserung der Kommunikation, zur Lösung von Konflikten und zur Steigerung der Intimität zwischen den Partnern.
Gesunder Lebensstil
Ein gesunder Lebensstil kann zur Verbesserung der sexuellen Gesundheit beitragen. Regelmäßige Bewegung verbessert nicht nur die Durchblutung und erhöht das Energieniveau, sondern kann auch die Libido steigern und die sexuelle Funktion verbessern. Eine ausgewogene Ernährung, reich an Obst, Gemüse, magerem Protein und gesunden Fetten, liefert dem Körper die notwendigen Nährstoffe zur Unterstützung der sexuellen Gesundheit. Darüber hinaus kann das Stressmanagement durch Entspannungstechniken wie Meditation, Yoga oder tiefes Atmen helfen, Angst zu reduzieren und die sexuelle Reaktion zu verbessern.
Emotionale Intimität
Die Konzentration auf emotionale Intimität und Verbindung mit dem Partner ist wesentlich, um eine befriedigende sexuelle Beziehung aufrechtzuerhalten. Zeit und Energie in nicht-sexuelle Intimität zu investieren, wie offenes Gespräch, Kuscheln und gegenseitige Unterstützung, kann die emotionale Bindung und das Einvernehmen zwischen den Partnern stärken und ein förderlicheres Umfeld für die Sexualität schaffen.
Neue Formen der Sexualität erkunden
Neue Formen der Intimität und Sexualität zu erkunden, kann helfen, den Libidoverlust zu kompensieren. Das Experimentieren mit neuen Positionen, Sexspielzeug, Fantasien oder erotischen Aktivitäten kann die Leidenschaft wiederbeleben und das sexuelle Interesse zwischen den Partnern erneuern.
Zeit für Entspannung und Erholung
Entspannung und ausreichende Erholung sind grundlegend für die sexuelle Gesundheit. Zeit für Entspannung und Erholung zu finden, kann Stress und Angst reduzieren und die mentale und körperliche Bereitschaft für sexuelle Intimität fördern. Regelmäßige Entspannungstechniken wie Meditation, Dehnen oder ein heißes Bad können das allgemeine Wohlbefinden fördern und die sexuelle Reaktion verbessern.
Unterstützung des Partners
Den Partner in den Prozess der Bewältigung des Libidoverlusts einzubeziehen, kann äußerst vorteilhaft sein. Eine offene und ehrliche Kommunikation über sexuelle Bedenken kann die gegenseitige Unterstützung stärken und beiden Partnern helfen, sexuelle Probleme effektiver zu bewältigen. Gemeinsam können kreative Lösungen erkundet und Wege gefunden werden, um eine erfüllende und befriedigende sexuelle Beziehung aufrechtzuerhalten.
Kontaktaufnahme mit einem Sexualtherapeuten
In einigen Fällen kann es hilfreich sein, sich an einen Sexualtherapeuten zu wenden, der auf die Behandlung sexueller Probleme spezialisiert ist. Sexualtherapeuten sind Fachleute, die auf die Bewertung und Behandlung sexueller Störungen spezialisiert sind und individuelle oder Paarberatungen anbieten können, um speziell den Libidoverlust anzugehen. Durch Sexualtherapie können Beziehungsdynamiken erkundet, emotionale oder psychologische Blockaden identifiziert und praktische Strategien zur Verbesserung der sexuellen Gesundheit entwickelt werden.
Welche Unterstützung bietet GAM Medical:
Eine fundierte psychologische Abklärung kann helfen, die Ursachen von sexuellen Veränderungen unter Antidepressiva besser zu verstehen – sei es als direkte Nebenwirkung der Medikation oder im Zusammenhang mit anderen psychischen Faktoren. Mit professioneller Begleitung lassen sich Wege finden, das emotionale und körperliche Wohlbefinden wieder in Einklang zu bringen.
Eine individuelle psychologische Diagnose und Beratung bei unseren erfahrenen Psycholog:innen von GAM Medical kann dir helfen, Hintergründe zu erkennen, Behandlungsmöglichkeiten zu prüfen und neue Lebensqualität zu gewinnen.
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PSYCHOLOGISCHE DIAGNOSTIK
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